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Ursula Sternberg. Bücher und Texte

Ruhrbeben

Werden Ruhrgebiet und Münsterland zum Schauplatz eines riesigen Umwelt­skandals?

Ruhrbeben

Innenhafen

Als Toni Blauvogel den Tod eines ehe­maligen Klassenkameraden unter­sucht, stößt sie auf Ungereimtheiten.

Innenhafen

Nachtexpress

Ein Obdachloser wird schwer misshan­delt und Ermittlerin Toni Blauvogel ist auf der Suche nach einer Schülerin.

Nachtexpress

Insolvenzgeld

Eigentlich hat Toni Blauvogel in diesem drückend heißen Sommer gar keine Lust auf Detektivarbeit.

Insolvenzgeld

Ruhrschnellweg

Eine eiskalte Nacht auf der A 40. Ein Mann liegt auf den Betonelementen des Mittelstreifens. Er ist tot.

Ruhrschnellweg

Variationen
der Wahrheit

Ein Kommissar der Europäischen Kommission wird erschlagen. Sein Mund ist mit Käse verstopft.

Variationen

Innenhafen, der neue Ruhr Krimi von Ursula Sternberg, erscheint im Oktober 2011

Innenhafen

Als Toni Blauvogel den Tod eines ehemaligen Klassenkameraden unter­sucht, stößt sie auf etliche Ungereimtheiten: Warum besitzt ein kleiner Bankangestellter so viel Geld? Wer ist die geheimnisvolle Frau an seinem Grab? Wie kann ein Auto plötzlich explodieren?

Zum Verlag

Immobilienskandal im Duisburger Innenhafen

Gibt es einen Zusammenhang mit dem geplanten Neubau der Ruhrcity-Bank am Duisburger Innenhafen? War es Unfall oder Mord? Die Essener Privatermittlerin begibt sich in ihrem vierten Fall auf die Suche nach den Hintergründen. Dabei gerät nicht nur ihr Seelenfrieden beträchtlich in Gefahr. Erst als ihr Freund Max mit ihrem Wagen schwer verunglückt, sieht sie plötzlich glasklar.

LESEPROBE

  • Warum ich dort war, konnte ich gar nicht mal ge­nau sagen. Aber irgendwie war mir vollkommen klar gewesen, dass ich herkommen musste, ob­wohl ich ihn doch vor mehr als achtundzwanzig Jahren aus den Au­gen verloren hatte.

    Als ich die Kirche betrat, sprang mir so­fort Ines ins Auge, klein und mollig, wie sie auch früher schon gewe­sen war. Und Gerda, unverkennbar Gerda mit ihrer Adler­nase und den üppigen Lip­pen. Schräg hinter ihr Matthes mit im­mer noch dichtem, vollem

     

    Haar, das ehemals flammend rot, nun allerdings vollständig er­graut war. Dann einige mir unbekannte Menschen. Aber dort vorne in der zweiten Reihe am Rand, da stand Barbara, die dunk­len Haare rattenkurz geschnitten und damit erstaunli­cherweise irgendwie noch schöner, als ich sie in Erinnerung hatte. Und der Kerl neben ihr, der sich gerade zu ihr hinüber­beugte?
    Augenblicklich erinnerte ich mich an einen ganz spe­zifischen Geruch und hielt unwillkürlich die Luft an. Nicht, dass ich ihn direkt in der Nase gehabt hätte, diesen Geruch. Aber die Erinne-

  • rung war wieder da: Die Cordjacke, die er immer getragen hatte. Ich hinter ihm, hinten auf seiner Vespa, die Hände an seinen Hüften, so, wie er es mir gezeigt hatte. Dicht vor mir diese Cord­jacke, die mittelbraune, direkt vor meiner Nase. Der leichte Muff darin hatte etwas Körperliches, Animalisches. Nicht unange­nehm. Überhaupt nicht unangenehm, sondern eigentümlich spezifisch. Ganz wunderbar spezifisch. Wie gern hätte ich da­mals mein Gesicht an den Rücken vor mir geschmiegt, an diese Cordjacke, mich versenkt in diesen eigentümlich spezifisch an-

     

    genehmen Muff. Aber ich hatte mich nicht getraut. Klar, dass er sich auch jetzt wieder an Barbara anwanzte. War schon immer so gewesen. Barbara. Schöne, flippige Barbara. Die Luft, die ich die ganze Zeit angehalten hatte, entwich jetzt unangenehm laut mit einer Art Zischen wie bei einem Ballon. Abrupt wandte ich mich ab.
    Scheiße, Blauvogel. Stehst hier herum und wühlst in Erinnerun­gen. Kein Wunder. Ist ja auch Kurtis Beerdigung. Und Kurti, der gehört nun mal zu früher. Da erinnert man sich eben. Vorne be-

  • gann ein Geistlicher in einem bodenlangen Talar zu sprechen. Priester oder Pfaffe? In was für einer Kirche war ich hier eigent­lich? Pfaffe vermutlich, denn das Gewand war schwarz. Die Katholen, die waren doch farbenfroher, oder? Oder nicht bei Beerdigungen? Weiß der Teufel. Ich kannte mich da nicht aus.
    ... von uns gegangen ... gutherzig ... Mann voller Tatkraft ... seinen Prinzipien treu geblieben ...
    Kurti? Prinzipien? Der hatte doch früher immer nur gejammert, dass keiner ihn so richtig mochte. So richtig richtig. Dabei hat-

     

    ten wir ihn alle gern gehabt, ihn, unseren Klassenclown. Die Orgel setzte ein. Ein Choral, tragisch und majestätisch zugleich. Noch ein Gebet, dann die Segnung, ein Kreuz über dem Sarg geschlagen. Und wieder die Orgel. Finale? Ja. Denn um mich herum geriet die Trauergemeinde langsam in Bewegung. Auf­bruch zum letzten Geleit. Auch ich erhob mich. Eine schmal­brüstige Frau in dunklem Kostüm folgte als Erste dem Sarg durch die Mittelreihe. Sehr blond. Sehr zart. Ziemlich jung. Sie blickte sich hilfesuchend um, taumelte leicht, als würde sie gleich zu-

  • sammenbrechen. Und neben ihr plötzlich schon wieder er. Ver­wirrt sah ich weg, den imaginären Duft von Cordjackenmuff in der Nase.
    Ich mag Beerdigungen nicht. Sie führen mir meine eigene Ver­gänglichkeit vor Augen. Und trotzdem war ich da. Sah in fil­mischen Schnitten, wie in Schwarzweiß. Ein langer Weg zwi­schen Bäumen, Gräber zur Rechten wie zur Linken. Vor mir eine Reihe dunkel gekleideter Menschen. Männer. Frauen. Ganz vor­ne der Sarg, getragen von Männern in schwarzem Frack. Lei-

     

    chenbestatter. Seltsamer Beruf. Sie trugen mit Würde. Ließen den Sarg herab mit weiß behandschuhten Händen. Jemand schluchzte laut auf und unterdrückte es augenblicklich wieder. Ich versuchte, die Schluchzende ausfindig zu machen, und ent­deckte sie schließlich etwas abseits, die Augen versteckt hinter einer großen Sonnenbrille, das Gesicht halb verborgen im Schatten eines dunklen Herrenhutes aus Filz, unter dem röt­liches Haar hervorquoll. Ihre Tränen gruben Furchen in die et­was zu dick aufgetragene Schicht Puder. Also doch jemand, der

  • ihn geliebt hatte, so richtig richtig. Mensch Kurti, na also! Die Grube wurde nun gefüllt mit Erde. Dunkler, feuchter Erde. Mich schauderte, als ich das dumpfe Plopp hörte, mit dem der schwere Mutterboden nass auf dem Sarg aufschlug. Nicht mal Blumen hatte ich. Was für Blumen hätten das auch sein können für Kurti, den Klassenclown? Eine bunte, lustige, die hätte wohl gepasst. Ein Papageienschnabel vielleicht. Daran jedoch hatte ich nicht gedacht. Also stand ich nur kurz an der Grube. Mochte dem dumpfen Plopp nicht noch ein weiteres hinzufügen. Ihn mit

     

    klumpiger, lehmiger Erde bewerfen. Nein. Erde auf Kurti werfen mochte ich nicht, Beerdigung hin, Beerdigung her.
    Nun bring halt mit Anstand zu Ende, was du begonnen hast, Blau­vogel! Ich seufzte und gab mir einen Ruck. Reihte mich ein in die Schlange der Kondolierenden, die an der kleinen Gruppe ernster, schwarz gewandeter Gestalten vorbeischritt. Die Schluch­zende befand sich nicht darunter. Ich schüttelte Hände. Auch die der Blonden, Zarten, Jungen. Murmelte »Bin mit ihm zur Schule gegangen, war ein echt netter Kerl, der Kurti, hatte

  • immer einen Scherz auf den Lippen«, und kam mir bescheuert vor, während ich das aussprach. Ich hob den Kopf und begegne­te seinem blaugrauen Blick, düster verhangen wie ein Novem­berhimmel. Er hielt sich im Hintergrund schräg hinter der Blonden, als wollte er sie beschützen. Wie sollte denn das bloß gehen ohne seine Cordjacke?
    »Hallo Volker«, sagte ich verlegen. »Lange nicht gesehen.«
    »Toni.« Mehr nicht. Nur dieses »Toni.«
    Ich zuckte mit den Schultern. Hielt für einen kurzen Augenblick

     

    dem Blaugrau seines Novemberhimmelblickes stand und ging dann zügig weiter. Am schmiedeeisernen Tor holte mich Ines ein. »Kommst du nicht mit zum Essen?«, fragte sie. Leichen­schmaus? Igitt! Ablehnend schüttelte ich den Kopf.
    »Schade«, sagte Ines. »Hier, meine Karte.« Sie drückte mir eine Visitenkarte in die Hand. Ines Trautwein, Accountmanagerin, stand darauf zu lesen.
    Sie schien auf etwas zu warten. Auf einen Kommentar? Account­managerin bist du also? Respekt! Hast es ja ganz schön

  • weit gebracht. Oder darauf, dass ich im Gegenzug meine Karte zücken würde? Accountmanagerin? Ha! Hier. Nimm dies: Dr. Dr. Dipl. Ing. von und zu ... Touché! Karte gegen Karte, so läuft das doch heutzutage. Ohne Karte bist du nichts. Auf dieses blöde Spiel mochte ich mich aber nicht einlassen.
    »Hab keine«, sagte ich also und grinste spöttisch. »Bin einfach nicht so wichtig.« Ines lief rot an. »Du hast dich überhaupt nicht verändert«, sagte sie leise. Leise auch der Vorwurf in der Stim­me. Und die Unsicherheit. War das wirklich so? Hatte ich mich

     

    nicht verändert? Ich will es nicht hoffen. Jung und dumm, das war ich damals.
    »Keine Ahnung«, sagte ich nur und zuckte mit den Schultern. Schweigen breitete sich zwischen uns aus. Eines der bedrücken­den Art.
    »Melde dich doch mal.« Ines lächelte schüchtern. »Warum sind bloß so viele von uns hier?«
    »Keine Ahnung«, sagte ich nun schon zum zweiten Mal inner­halb kürzester Zeit. »Ich weiß es nicht«, versuchte ich zu vari-

  • ieren ieren und dachte: Und warum bist du hier? Doch ich fragte nicht. Schwieg stattdessen erneut.
    »Es ist ein so seltsam merkwürdiges Ende für Kurti ...« Ines zupfte die Jacke über ihrer drallen Figur in Form. Sie schien zu frieren.
    »Ja«, antwortete ich schroff. »Das stimmt.« Und dachte, dass sie verdammt recht hatte. Damit ließ ich sie stehen.

     

     

PERSONEN

  • Kurt Türauf

    hantiert mit fremdem Geld und stirbt einen unschönen Tod.

  • Bettina Türauf

    will wissen, warum ihr Vater sterben musste.

  • Gerda, Ines und Matthes

    sind alte Freunde und erinnern Toni an früher.

  • Barbara Wheelers

    ist immer noch schön und reichlich chao­tisch.

  • Volker Schlosser

    ist Tonis Jugendliebe und sorgt mächtig für Unruhe.

  • Mike aus Kupferdreh

    kennt sich auch gut mit Autos aus.

  • Dr. Behrends

    leitet die Ruhrcity-Bank und schöpft im Vollen.

  • Lydia Herzkamp

    bricht Herzen und steigt die Karriereleiter schnell hinauf.

  • Giorgio

    schnappt viel auf und heißt eigentlich gar nicht Giorgio.

  • Schiller

    kann nichts wegwerfen und vergisst keinen einzigen Vers.

  • Irina Kruzsca

    fürchtet sich und bleibt lieber im Verborge­nen.

  • Onkel Gerhard

    heißt wie der Exkanzler und kann sich nicht mehr erinnern.

  • Holger Schönlein

    ist ein hohes Tier bei der Stadt und hat noch höhere Ambitionen.

  • Miroslaw Zirkow

    ist Architekt und will was vom großen Ku­chen abhaben.

  • Pietr Matzek

    hat eine dunkle Vergangenheit und schlag­kräftige Argumente.

  • Heiko König

    ist Tonis neuer Kollege und sehr hilfsbereit.

  • Bea Hellebrosch

    ist klüger, als Toni glaubt, und trinkt einen über den Durst.

  • Reinhold Schütte

    kann in diesem Fall nichts tun.

  • Max Schulze

    arbeitet zu viel und hat Glück im Unglück.

  • Toni Blauvogel

    hat Urlaub und taucht tief in die Vergan­genheit ein.

DATEN ZUM BUCH

Ursula Sternberg: Innenhafen (Buchumschlag)

 

Ursula Sternberg
Innenhafen

ISBN 978-3-89705-865-1
Emons Verlag Köln
Erscheint im Oktober 2011. Preis: 10,90 €
Taschenbuch. 299 Seiten

Krimis... und Kunst

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Im assoverlag Oberhausen sind die Krimi­nalromane Insolvenzgeld, Ruhrschnellweg und Variationen der Wahrheit erschienen.

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Seit September 2010 erscheinen die Romane von Ursula Sternberg im Kölner Emons Verlag.

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