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Ursula Sternberg. Bücher und Texte

Ruhrbeben

Werden Ruhrgebiet und Münsterland zum Schauplatz eines riesigen Umwelt­skandals?

Ruhrbeben

Innenhafen

Als Toni Blauvogel den Tod eines ehe­maligen Klassenkameraden unter­sucht, stößt sie auf Ungereimtheiten.

Innenhafen

Nachtexpress

Ein Obdachloser wird schwer misshan­delt und Ermittlerin Toni Blauvogel ist auf der Suche nach einer Schülerin.

Nachtexpress

Insolvenzgeld

Eigentlich hat Toni Blauvogel in diesem drückend heißen Sommer gar keine Lust auf Detektivarbeit.

Insolvenzgeld

Ruhrschnellweg

Eine eiskalte Nacht auf der A 40. Ein Mann liegt auf den Betonelementen des Mittelstreifens. Er ist tot.

Ruhrschnellweg

Variationen
der Wahrheit

Ein Kommissar der Europäischen Kommission wird erschlagen. Sein Mund ist mit Käse verstopft.

Variationen

A 40

Ruhrschnellweg

Eine eiskalte Nacht auf der A 40, auch Ruhrschnellweg genannt. Ein Mann liegt auf den Betonelementen des Mittelstreifens. Er ist tot. Was würden Sie tun, wenn Sie einen Toten finden würden mitten in der Nacht auf der A 40, einen Toten, der zufälligerweise auch noch Ihr Chef ist und Ihnen gerade die Kündigung reingereicht hat?

Zum Verlag

Korruptionsdelikt auf der Überholspur

Toni Blauvogel jedenfalls ist keineswegs glücklich über ihren Fund und gerät schnell ins Visier der polizeilichen Ermittlungen. Um ihre Unschuld zu beweisen, wird sie zur Akteurin wider Willen. Ihr Wissen um die sogenannten schwarzen Karteien der Unter­nehmensgruppe erweist sich dabei als äußerst nützlich. Ebenso wie Max Schulze, ein Hacker, der Toni Blauvogel mit seinen Kenntnissen aufs freundlichste zur Seite steht. Und was die beiden herausfinden, stinkt nach schlagzeilenträchtiger Korruption.

LESEPROBE

  • Kalt war es geworden. Schweinekalt. Der Schlüssel im Schloss der Fahrertür rührte sich nicht. Keinen Milli­meter. Ich rieb mei­ne tauben Finger und fluchte, weil ich keine Handschuhe dabei hatte. Es half nichts. Das Reiben nicht und auch nicht das Flu­chen. Letzteres machte die Sache nur ein wenig erträglicher. Ein Blick über das Parkdeck bestätig­te mir, was ich ohnehin schon wusste. Keiner hier um diese gotterbärmliche Zeit. Niemand, der mir mit Enteiser hätte aus­helfen können. Seufzend öffnete ich die Heckklappe meines

     

    Ford und begann, den ganzen Krempel wieder herauszuräumen, den ich im Laufe der letzten Stunde dort hineingestopft hatte. Ein paar kleinere Pflanzen. Drei gerahmte abstrakte Drucke, schwer in ihrer Größe. Ein ausla­dender Eukalyptus, ebenfalls schwer. Vier Umzugskartons voll mit Büchern und Aktenord­nern. Schwer natürlich. Eine Lampe, wie sie in den Filmen der Schwarzen Serie auf den Schreibti­schen der Kommissariate zu finden ist. Ein Sitzball. Mehrere Tüten voll mit Zeugs. Becher. Schmuckdosen. Teebüchsen. Be­steck. Mitbringsel aus diversen

  • Urlauben. Keramik. Handschmeichler. Fächer. Holztiere. Zeugs eben. Nie wieder, schwor ich mir, nie wieder würde ich irgend­einen Arbeitsplatz noch einmal mit meinem persönlichen Müll so voll stopfen.
    Ich kletterte über die nun freigeräumte Ladeflä­che meines ver­beulten Kombis und tastete über der Lehne des Vordersitzes nach dem Knopf der Verriegelung. Nach kurzem Ruckeln gab der Knopf nach und die Tür war frei. Als ich zurück kroch, riss ich mir die Hand an etwas Scharfkantigem auf. Eine Klemme

     

    von einem der Bilderrahmen, tippte ich, während ichdas Blut aufsaugte. Es war eindeutig nicht mein Tag heute.

    Eine halbe Stunde später befand ich mich auf der A40. Das Gebläse verbreitete lautstark einen Hauch von Wärme. Olli Briesch klotzte ein paar freche Sprüche. Nickelback wurde gespielt. Ich drehte das Radio auf und röhrte lautstark den Re­frain mit. »How do you remind me...«. Schlagartig besserte sich meine Laune. Ich trat das Gaspedal durch und spornte mein

  • altes Möhrchen zu Höchstleistungen an, trieb es am Kreuz Bo­chum vorbei, jegliche Geschwindigkeitsbeschränkung ignorie­rend. Durch den Tunnel hindurch und vorbei an der Bau­stelle, die bereits seit drei Tagen die linke Spur im Tunnel blo­ckierte. Wusch! Köstliche Rache für all die Stunden, die ich so häufig damit verbracht hatte, mich Meter für Meter von Essen nach Dortmund zu quälen. Oder nach Mönchengladbach. Oder nach Köln. Hin und zurück. Tag für Tag. Mal besser, mal schlech­ter. Aber nie gut. Aus diesem Grund nannte ich die in den acht­ziger

     

    Jahren zur Autobahn beförderte ehemalige Bundesstraße 1 nach wie vor nur Ruhrschnellweg. Den Begriff Autobahn verdiente diese Straße einfach nicht. Autobahn impliziert schließlich ein schnelles Vorankommen.
    Das Licht der Scheinwerfer erfasste etwas. Groß. Liegend. Ein­deutig nicht dort hin gehörend. Ich stieg voll in die Bremsen und brachte den Wagen schlingernd auf dem Seitenstreifen zum Ste­hen. Angestrengt spähte ich zurück ins Dunkel. Nichts zu er­kennen. Fahr heim, brummelte ich. Da ist nichts. Fahr heim, leg

  • dich endlich schlafen und vergiss diesen gottverdammten Tag. Der Gedanke war verlockend. Dennoch legte ich den Rückwärts­gang ein. Setzte langsam auf dem Seitenstreifen zurück, Meter für Meter, bis ich es wieder im Blick hatte, dort, in der sanften Biegung der Rechtskurve.
    Es befand sich auf dem Mittelstreifen, dessen aufwendiger Bau im vergangenen Jahr sehr zur Freude der Berufspendler beige­tragen hatte. Der Mittelstreifen der Au­tobahn 40 ist hier eigent­lich kein Streifen mehr. Betonelemente erheben sich bis auf

     

    Kinnhöhe, und oft habe ich mich gefragt, warum sie nicht noch fünfzig Zentimeter höher hätten gebaut werden können. Dann wäre mir der Zweck wenigstens klar. Ein Blendschutz. Allein das konnte der Grund jedoch nicht sein für diese aufwendige Bau­maßnahme, denn selbst mich mit meinen nur knapp einsein­undsechzig blendet der Gegenverkehr nach wie vor. Um diese Uhrzeit jedoch blendete nichts. Kein Schwein schien unterwegs zu sein. Nur ich.

  • Es lag da wie aufgebahrt. Ägyptische Mumie oder so was. Wegen der Füße, die exakt parallel ausgerichtet in die Höhe ragten. Und der Arme, die über der Brust gekreuzt zu sein schienen. Eindeutig menschlich. Reglos. Platt auf dem Rücken, auf der Grasnarbe des aus Betonelementen gebauten Mittelstreifen der A40, auch B1 genannt. Oder Ruhrschnellweg. Um drei Uhr mor­gens. »Hallo«, rief ich hinüber. »Kann ich Ihnen helfen?« Die Fra­ge kam mir ziemlich bescheuert vor. Es regte sich immer noch nicht. Also vergewisserte ich mich, dass kein Scheinwer-

     

    ferlicht ein nahendes Fahrzeug ankündete, rannte über die Fahrbahn und stemmte mich auf den Betonstreifen hinauf.
    Ich erschrak. Der Mann trug weder Schuhe noch Mantel. Sein Körper wirkte, als wäre er gerade aus einer Gefriertruhe geholt worden. Schnurrbart, Augenbrauen und Haare waren von hellen Eis­kristallen dicht bestäubt, so dass sie wie Zuckerwatte aussa­hen, das Gesicht schien unter der dünnen Eisschicht verzerrt und da­durch bizarr entstellt. Schnell ließ ich mich in die Hocke nieder, rüttelte leicht an der Schulter des Mannes und registrier-

  • te die frostige Kälte, die dieser Körper verströmte. Hier konnte ich nichts mehr tun. Ich kramte mein Handy hervor und wählte die 110. Der Wind schnitt mir eisige Furchen ins Gesicht.

    Endlich kam einer, der was zu sagen zu haben schien. Leider ei­ner von den Typen, mit denen ich in Windeseile aneinander ge­rate. Wir brauchen uns nur anzusehen, und schon geschieht es. Unaufhaltsam. Eine Art Selbstläufer. Ich weiß nicht warum. Das heißt, wenn ich mit so einem gesprochen habe, weiß ich im Re­-

     

    gelfall schon, warum. Aber mit diesem hier hatte ich noch kein Wort gewechselt, und bereits jetzt war mir klar, dass das kein er­freuliches Gespräch werden würde. Es musste an diesem dün­nen, geschwungenen Oberlippenbärtchen liegen. Oder an der eckigen goldgefassten Brille. Oder an den sorgfältig nach hinten gegelten Haaren. Oder an diesem Flair von Mr. Wichtig, das ihn umhüllte wie ein zu schweres After Shave. Oder einfach nur an diesen paar Zentimetern, die er mir zu dicht auf die Pelle rückte.

  • Er richtete den Strahl einer Taschenlampe unverschämt direkt in mein Gesicht. »Name?« Sein Tonfall war brüsk. Ich schob die Lampe ein paar Zentimeter beiseite. »Toni Blauvogel.« Dann erst trat ich einen Schritt zurück. »Toni?« Sein Blick wanderte über meine Brüste, die sich unter der dicken Winterjacke ab­zeichne­ten. Er grinste sarkastisch. Schützend verschränkte ich die Arme vor meiner Brust. Ich mochte es nicht, wie er mich taxierte. »Antoinette«, korrigierte ich widerwillig. »An-to-i-net-te«, flö­tete er melodiös, jede Silbe einzeln betonend. »Ist

     

    doch viel schöner als Toni.« Ich zuckte mit den Schultern. Was ging es ihn an. »Sonst noch was?«, fragte ich. »Alter?«; »Vierundvierzig.« »Wohnort?« »Essen.« »Postleitzahl?« Der Kasernenton ging mir auf die Nerven. »45130. Hören Sie...« »Straße?«, unterbrach er mich brüsk. »Jawoll!« Zackig riss ich meinen Körper in die Senkrechte und imitierte den militäri­schen Gruß. »Rellinghauser 111.« Dann schüttelte ich befremdet den Kopf. »Sagen Sie mal, können Sie eigentlich auch normal reden?« »Beruf?« »Was tut denn das hier zur Sache!« Er fixierte

  • mich mit strengem Blick. »Beruf?«, fragte er erneut. »DV-Orga­nisatorin ... nein ... arbeitslos ... hm ... nein ... auch nicht.« »Also was denn nun?«, fragte er gereizt. Mir platzte der Kragen. »Dem­nächst arbeitslos«, blaffte ich zurück. »Bald eventuell selbst­ständig. Oder wieder irgendwo angestellt. Suchen Sie sich's aus, irgendwas wird schon passen. Aber ich weiß ver­dammt noch mal nicht, was das mit diesem Menschen da auf dem Mittelstrei­fen zu tun hat. Ich habe ihn im Vorbeifahren dort liegen sehen. Ich habe angehalten und den Notruf angerufen.

     

    Seit über einer Stunde sitze ich nun hier, beobachte Ärzte und Polizei bei der Arbeit, friere mir den Arsch ab und muss mir jetzt auch noch Ihren bescheuerten Feldwebelton reinziehen. Ich habe die Schnauze voll. Ich fahre jetzt nach Hause!« »Das werden Sie nicht tun!« Drohend richtete er den Strahl seiner Taschen­lampe erst direkt in mein Gesicht, dann auf das Chaos im Innern mei­nes Wagens. »Ach ne«, höhnte ich aufgebracht. »Werde ich also nicht?« Ich öffnete die Fahrertür. »Ich habe aber nichts mehr zu sagen. Und deshalb werde ich jetzt fahren,

  • bevor hier der morgendliche Berufsverkehr anrollt. Falls Sie noch Fragen ha­ben: Sie haben ja meine Adresse. Aber bitte zu einer angemesse­neren Ta­geszeit, wenn's recht ist, und in ange­messenerem Ton!« Der Es­cort, wieder kalt geworden, protes­tierte hustend gegen den neu­erlichen Start. Hoppelnd fuhr ich in Richtung Essen davon. »Mensch Vogel«, fluchte ich. »Was für ein Scheißtag!«

PERSONEN

  • Werner Paschke

    ist die Stufenleiter ziemlich weit hinauf gekommen. Mit Outsourcing, Stellenabbau und Lohnsenkung liegt er ebenso im Trend wie mit der großzügigen Hege und Pflege geschäftlicher Beziehungen. Nun liegt er auf der A 40. Tot.

  • Wanda Paschke

    sitzt selbst fest im Sattel und scheint vom Tod ihres Mannes nicht sonderlich berührt.

  • Ralf Echsenstein

    kocht sein eigenes Süppchen, obwohl er als Betriebsrats­vorsitzender einen anderen Auftrag hat. Die Frage ist nur, warum.

  • Helena Schmiedenberg

    ist Paschkes Sekretärin und man munkelt, mehr als das. Die tüchtige Schöne gibt sich sehr zurückhaltend.

  • Reinhold Schütte

    ist nicht so wichtig, wie er tut und eigentlich sogar ganz nett.

  • Bea Hellebrosch

    als ermittelnde Beamtin hat die Nase voll von Tonis Eskapaden und keine Lust, ihren Job für sie zu riskieren.

  • Max Schulze

    hat Spaß am Knacken fremder Systeme und mit der Sache eigentlich nichts zu tun.

  • Toni Blauvogel

    führt als leicht verschrobene Akteurin wider Willen die Leser durch Essens Szenerie und einen Teil des Ruhrge­biets. Als Ich-Erzählerin nimmt sie dabei kein Blatt vor den Mund.

DATEN ZUM BUCH

Ursula Sternberg: Ruhrschnellweg (Buchumschlag)

 

Ursula Sternberg
Ruhrschnellweg

ISBN 978-3-938834-21-3
assoverlag Oberhausen
Erschienen März 2007. Preis 12,90 €
Taschenbuch. 240 Seiten

Krimis... und Kunst

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Assoverlag


Im assoverlag Oberhausen sind die Krimi­nalromane Insolvenzgeld, Ruhrschnellweg und Variationen der Wahrheit erschienen.

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